Webinar für Mitglieder der VdF

Am 11. April 2022 gab es für die Mitglieder der Vereinigung der Fußballer das Angebot, sich bei einem Online-Seminar über sportpsychologische Methoden zur Leistungssteigerung zu informieren. Der interaktive Vortrag wurde per Microsoft Teams abgehalten und lieferte Inputs zu den Themen psychologische Faktoren im Sport sowie spezifischen mentalen Trainingstechniken.

Mit Beispielen und Übungen wurde den Spielern Visualisierung, Zielsetzungstraining und Techniken zur Psychoregulation vor einem Wettkampf näher gebracht. Den Teilnehmern wurden auch zwei Smartphone-Apps zu sportpsychologischem Mentaltraining vorgestellt. Eine vom Research Lab der TSG Hoffenheim entwickelte App bietet hilfreiche Informationen zu sportpsychologischem Mentaltraining für AthletInnen. Den Link dazu findest du hier. Mit der zweiten App Lumosity kann mithilfe spannender Übungen kostenfrei das Gehirn trainiert werden.

Am Ende des Webinars wurde noch auf Risiken und Auswirkungen von mentaler Belastung bei professionellen Fußballspielern, sowie verschiedene Anlaufstellen zur Unterstützung hingewiesen. Für Mitglieder der VdF gibt es mit der telefonischen Supportline eine kostenfreie Möglichkeit anonym über psychosoziale Problemstellungen zu sprechen.

Bei Fragen zum Thema kannst du mich gerne telefonisch unter +43 680 1400 966 oder per Mail an sportpsychologie.decker@gmail.com erreichen.

Psyche als Tabuthema

Nach einem spannenden Interview vor circa 2 Monaten, wurde in der neuen Ausgabe des Ballesterers (https://ballesterer.at), welche schon die Ausgabe #156 ist, der Beitrag dazu veröffentlicht. Im Gespräch mit Matthias Krammerstorfer, der neben seiner Tätigkeit für den Ballesterer auch eine eigene Plattform zur Untersuchung von globalen Auswirkungen des Fußballsports betreibt (https://bsidefootball.com/), ging es vor allem um die Risiken und potentiellen Auswirkungen von mentaler Belastung im Leben als professioneller Fußballspieler.

Neben der Sondierung der bisherigen psychologischen Versorgungslage im Spitzensport Europas, wurde ebenso das aktuelle Unterstützungsangebot in Österreich besprochen. Dabei wurde auf die VdF-Supportline (http://www.vdf.at/news_detail.php?id=85) und die bisher erfolgte Betreuung der Athleten in Östereich eingegangen. Diesbezüglich wurde auch der Projektleiter und stellvertretende Vorsitzende der österreichschen Spielergewerkschaft Oliver Prudlo befragt. Er spricht dabei von seiner eigenen Erfahrung als ehemaliger Verteidiger des FC Tirol und der damaligen Sichtweise zu psychologischer Unterstützung innerhalb des Profisports.

Tragische Schicksale wie die Suizide von Robert Enke oder Andreas Biermann haben das Tabuthema Psychische Erkrankungen an die Öffentlichkeit gebracht und dafür gesorgt, dass zumindest temporär medienwirksam über den Leistungsdruck und die damit einhergehenden Folgen berichtet wurde. Nichtsdestotrotz bleibt das Thema sowohl im Spitzensport als auch in der Gesellschaft oft unterrepräsentiert und führt deshalb nur zu einer Verstärkung der Hemmschwelle, darüber zu reden wie es einem wirklich geht.
In dem Interview wurde weiters über die Erhebung der mentalen Gesundheit von professionellen FußballspielerInnen in Österreich gesprochen. Welche Möglichkeiten es zur Verbesserung dieser, vor allem in den jungen Jahren der angehenden AthletInnen geben würde und wie sich die Spielklasse auf das Stresslevel der SpielerInnen auswirkt, könnt ihr in der aktuellen Ausgabe des Ballesterers nachlesen.

Evaluation zur mentalen Gesundheit bei österreichischen Fußballprofis

In meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit der mentalen Gesundheit von professionellen österreichischen FußballspielerInnen. Das Ziel war es, eine Evaluation durchzuführen, sowie den Zusammenhang von Risiko- und protektiven Faktoren mit der psychischen Verfassung zu erheben.

Trotz dem stärkeren Fokus auf die mentalen Komponenten im Spitzensport, gibt es immer noch eine große Hemmschwelle über psychische Belastungen zu sprechen. Bei einer internationalen Studie zur Prävalenz von mentalen Belastungen bei Fußballprofis wurde ersichtlich, dass ungefähr 25% an Schlafstörungen sowie 15% an Distress litten. Weiters gaben 11% der befragten Spieler an, Alkohol in schädlichem Ausmaß zu konsumieren (Gouttebarge, Backx, Aoki, & Kerkhoffs, 2015). In engem Zusammenhang dazu stand die (Un)zufriedenheit mit der eigenen Karriere.

Bei meiner Umfrage für die Masterarbeit berichteten 34% der teilnehmenden Fußballspieler von Ängstlichkeitssymptomen sowie 17%, dass sie an sportberuflichem Distress leiden. Stressoren, wie häufige Verletzungen oder eine akut vorliegende Verletzung wirkten sich ebenfalls auf das psychische Wohlbefinden der Athleten aus. Es wurde jedoch auch ersichtlich, dass hoch resiliente Teilnehmer weniger Distress zeigten als Spieler mit niedriger psychischer Widerstandskraft. Dass Resilienztraining bei professionellen Sportlern hilfreich ist, wurde auch von Fletcher und Sarkar (2012) in ihrer Studie belegt. Darauf wird auch in sportpsychologischem Training besonderen Wert gelegt. Durch kognitive Restrukturierung und dem Erlernen von effektiven Strategien soll auch in Krisensituationen das Leistungsmaximum abgerufen werden können.

Für weitere Informationen zu meiner Masterarbeit, kann das unten angefügte Handout heruntergeladen werden.
Wenn du mehr zum Thema mentaler Gesundheit und Resilienztraining erfahren möchtest, kannst du mich auch gerne kontaktieren.

Literatur:

Gouttebarge, V., Backx, F., Aoki, H., & Kerkhoffs, G. (2015). Symptoms of Common Mental Disorders in Professional Football (Soccer) Across Five European Countries. Journal of Sports Science and Medicine, 14, 811-818

Fletcher, D. & Sarkar, M. (2012). A grounded theory of psychological resilience in Olympic champions. Psychology of Sport and Exercise, 13, 669-678